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Regina Jonas: Berlin ehrt die erste Rabbinerin der Welt | Berliner Schnipsel

Jahrzehntelang vergessen, heute als Pionierin gefeiert.

15.07.2026 Matti Geyer

Seit dem vergangenen Winter erinnert eine Straße in Kreuzberg an eine außergewöhnliche Berlinerin: Regina Jonas. Die ehemalige Kohlfurter Straße trägt nun den Namen der weltweit ersten Rabbinerin.

Schon als junges Mädchen hatte Regina Jonas einen ungewöhnlichen Traum. Sie wollte Rabbinerin werden – zu einer Zeit, als dieses Amt ausschließlich Männern vorbehalten war. Doch die gebürtige Berlinerin ließ sich davon nicht aufhalten. Nach ihrem Studium an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums legte sie 1930 eine viel diskutierte Abschlussarbeit vor. Darin kam sie zu dem Schluss, dass religiöse Quellen Frauen das Rabbineramt keineswegs verbieten.

1935 wurde Regina Jonas schließlich offiziell zur ersten Rabbinerin der Welt ordiniert. Während viele männliche Kollegen ihre Rolle skeptisch betrachteten, widmete sie sich unermüdlich der Seelsorge, dem Religionsunterricht und der Betreuung von Menschen in Not.

Auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte sie ihre Arbeit fort. Als zahlreiche Rabbiner emigrieren mussten, sprang sie in Gemeinden ein und spendete Trost. Selbst nach ihrer Deportation nach Theresienstadt hielt sie Vorträge und Predigten, um anderen Hoffnung zu geben.

1944 wurde Regina Jonas nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Danach geriet ihre Geschichte jahrzehntelang in Vergessenheit. Erst nach dem Mauerfall wurden ihre Dokumente wiederentdeckt. Heute erinnert nicht nur die Regina-Jonas-Straße an ihr Leben, sondern auch ihr Vermächtnis als Pionierin der Gleichberechtigung und des jüdischen Lebens.