FluxFM Berliner Schnipsel
Stadtführer Matti Geyer bringt Berlins Vergangenheit ins Hier und Jetzt.

Wie aus einer schlichten Hofkirche ein protestantisches Machtsymbol wurde.
02.03.2026 Matti Geyer
Unter der gewaltigen Kuppel des Berliner Dom stehen sie dicht an dicht: 91 Särge. Kurfürsten, Könige, Prinzessinnen – die Familienmitglieder des Hauses Hohenzollern.
Nach sechs Jahren Sanierung ist die Hohenzollerngruft nun wieder geöffnet. Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen hatten den kunstvollen Sarkophagen zugesetzt. Rund 29 Millionen Euro wurden investiert. Die Särge waren zwischenzeitlich ausgelagert, ihr Standort geheim. Jetzt stehen sie wieder an ihrem historischen Platz – mit moderner Klimaanlage, barrierefreiem Zugang und einer neuen Ausstellung.
Die Geschichte beginnt Mitte des 16. Jahrhunderts. Neben dem Berliner Schloss wird eine Dominikanerkirche zur Hofkirche der Hohenzollern umgebaut. Die Gewölbe dienen fortan als Begräbnisstätte.
Zwei Jahrhunderte später lässt Friedrich der Große die baufällige Kirche abreißen. Ein neuer Dom entsteht am Lustgarten. Die Särge ziehen um – doch ausgerechnet einige der ältesten gehen verloren. Bis heute ist ungeklärt, wie das passieren konnte.
Im 19. Jahrhundert gestaltet Karl Friedrich Schinkel den Dom klassizistisch um – noch vergleichsweise schlicht. Das ändert sich schlagartig, als Wilhelm II. 1888 Kaiser wird. Ihm ist der Bau zu bescheiden. Er will ein protestantisches Gegenstück zu Petersdom in Rom. Der Schinkel-Dom wird gesprengt, der heutige monumentale Bau entsteht: 114 Meter hoch, mit wuchtiger Kuppel und reich geschmückt – ein klares Machtsymbol.
Im Zweiten Weltkrieg trifft eine Bombe die Kuppel. Sie stürzt brennend in die Gruft. Sarkophage werden zerstört, darunter der von Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, der Frau Friedrichs des Großen. Monate lang klafft ein Loch im Dach, Regen fällt in die Kirche. Gepredigt wird trotzdem – zeitweise sogar in einem abgetrennten Bereich der Gruft.
Erst in den 1970er Jahren wird die Kuppel vereinfacht und niedriger wieder aufgebaut – finanziert gemeinsam von Ost und West.
Jetzt ist die Hohenzollerngruft wieder regulär geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 7,50 Euro – inklusive Kuppelaufstieg mit einem der schönsten Ausblicke über Berlin.