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La Belle 1986 – Der Anschlag, der Berlin erschütterte | Berliner Schnipsel

Ein Polit-Krimi zwischen Libyen, Stasi und West-Berlin

05.04.2026 Matti Geyer

Am 5. April 1986 wird das West-Berliner Nachtleben jäh aus seiner Leichtigkeit gerissen. In der Diskothek La Belle in Berlin-Friedenau feiern rund 500 Menschen – viele davon US-Soldaten, die ihren Zahltag genießen. Musik erfüllt den Raum, Funk, Disco und elektronische Beats. Es ist eine dieser typischen Nächte im geteilten Berlin, ein Ort zwischen Freiheit und Frontlinie.

Dann, um 1:45 Uhr, zerreißt eine Explosion die Stimmung. Eine Bombe, versteckt in einer Tasche und gefüllt mit Metallteilen und Nägeln, detoniert mitten im Club. Drei Menschen sterben, darunter ein US-Soldat und eine türkische Besucherin. Dutzende werden schwer verletzt, viele tragen dauerhafte Schäden davon.

Schnell wird klar: Dieser Anschlag ist mehr als ein lokales Verbrechen. Die Ermittlungen führen nach Libyen, unter das Regime von Muammar al-Gaddafi. Der Angriff gilt als Teil eines staatlich gesteuerten Terrornetzwerks. Doch damit nicht genug: Auch die DDR-Staatssicherheit, die Stasi, gerät in den Fokus.

Interne Akten zeigen, dass die Stasi früh Hinweise auf mögliche Anschläge in West-Berlin hatte. Informanten berichten über Ziele, darunter auch das La Belle. Sogar mögliche Fluchtwege werden dokumentiert.

Bis heute bleibt die Rolle der Stasi umstritten. Hat sie den Anschlag nur beobachtet – oder indirekt unterstützt? Klar ist: Das Attentat wird schnell Teil der geopolitischen Spannungen des Kalter Krieg. Die USA reagieren mit Luftangriffen auf Libyen, die politische Lage eskaliert weiter.

Heute erinnert am ehemaligen Standort in der Hauptstraße 78 nur noch eine Gedenktafel an die Diskothek La Belle. Wo einst getanzt wurde, befinden sich nun ein Biomarkt und Büros. Doch jedes Jahr werden Blumen niedergelegt – zum Gedenken an die Opfer und als Mahnung an ein dunkles Kapitel der Berliner Geschichte.