Was für ein Leben
In der FluxFM-Rubrik „Was für ein Leben“ erzählen Menschen ihre außergewöhnlichen Lebensgeschichten – ehrlich, bewegend und voller Geschichte. Wir halten Erinnerungen fest, bevor sie verloren gehen.

Als Zwölfjähriger überlebte Arnold Mosshammer die Kesselschlacht von Halbe. Heute engagiert er sich gegen Neonazi-Aufmärsche an genau diesem Ort.
18.03.2026 Matti Geyer
Was für ein Leben: Arnold Mosshammer
Ende April 1945 tobt südlich von Berlin eine der letzten großen Schlachten des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden: die Kesselschlacht von Halbe.
Zehntausende Soldaten, Flüchtlinge und Zivilisten geraten in den Kämpfen zwischen Wehrmacht und Roter Armee ins Kreuzfeuer. In nur wenigen Tagen sterben vermutlich bis zu 60.000 Menschen. Wälder, Felder und Straßen rund um das kleine brandenburgische Dorf Halbe werden zum Schauplatz eines der größten Gemetzel der letzten Kriegswochen.
Arnold Mosshammer ist damals zwölf Jahre alt.
Mit seiner Mutter und seiner Großmutter sitzt er vier Tage lang in einem Keller, während über ihnen Granaten einschlagen und Maschinengewehre rattern. Als die Kämpfe schließlich verstummen und die Familie vorsichtig nach draußen geht, bietet sich ein Bild, das er nie wieder vergessen wird: zerstörte Häuser, ausgebrannte Fahrzeuge – und überall Tote.
In den Wochen danach müssen die Überlebenden aus Halbe helfen, die Opfer zu begraben. Entlang der Straßen, in Vorgärten und auf Feldern entstehen provisorische Massengräber. Für den jungen Mosshammer wird diese Zeit zu einer Erfahrung, die sein ganzes Leben prägt.
Heute liegen auf dem Soldatenfriedhof Halbe mehr als 26.000 Kriegstote begraben. Viele von ihnen konnten nie identifiziert werden.
Arnold Mosshammer lebt inzwischen wieder in Halbe. Die Erinnerungen an das Grauen der letzten Kriegstage haben ihn zu einem überzeugten Antifaschisten gemacht. Seit Jahren engagiert er sich im lokalen Aktionsbündnis gegen Rechtsextremismus und stellt sich immer wieder gegen Neonazi-Aufmärsche, die auf dem Friedhof stattfinden.
FluxFM-Redakteur Matti Geyer hat Arnold Mosshammer in Halbe besucht und mit ihm gesprochen – im Gedenkraum des Soldatenfriedhofs, direkt an dem Ort, an dem sich Geschichte und Erinnerung überlagern.

Wir kennen das alle: Wenn man jung ist, will man die alten Geschichten von Mama, Papa, Oma, Opa, Tante oder Onkel oft nicht hören – und irgendwann ist es zu spät.
Deshalb wollen wir bei FluxFM mit Menschen sprechen, die gelebte Geschichte sind. Menschen, deren Biografien berühren, überraschen oder einfach unglaublich sind. Wir wollen ihre Erinnerungen festhalten – für uns, für euch, für die Nachwelt.
Ihr kennt jemanden, der oder die immer verrückte Anekdoten erzählt, Spannendes erlebt hat oder einfach ein besonderes Leben geführt hat? Dann schreibt an matti.geyer@fluxfm.de – vielleicht hört ihr die Geschichte bald bei uns in der Reihe „Was für ein Leben“.
In der FluxFM-Rubrik „Was für ein Leben“ erzählen Menschen ihre außergewöhnlichen Lebensgeschichten – ehrlich, bewegend und voller Geschichte. Wir halten Erinnerungen fest, bevor sie verloren gehen.