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Schauspieler Robert Aramayo als John Davidson im Film Verflucht normal Wild Bunch Germany

"Verflucht normal" - Eine Dramedy zum Lachen, Weinen und Hoffen | Breitbild Filmkritik

Filmemacher Kirk Jones erzählt in seinem neuen Film vom Leben des schottischen Tourette-Aktivisten John Davidson

28.05.2026

Tourette, Ausgrenzung und jede Menge Herz: das britische Biopic Verflucht normal erzählt die wahre Geschichte von John Davidson. Warum der Film mehr ist als ein klassisches Drama ist und weshalb Robert Aramayo verdientermaßen dafür dieses Jahr sogar einen BAFTA als bester Hauptdarsteller gewonnen hat, erfahrt ihr in der Kritik von FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas.

FluxFM-Kritik: Eine Dramedy zum Lachen, Weinen und Hoffen

Schottland, Anfang der 1980er - John ist ein normaler Teenager. Er geht zur Schule, spielt Fußball, verbringt Zeit mit Freunden. Alles ändert sich, als er beginnt unkontrolliert zu fluchen, zu zucken und sogar Leute anzuspucken.

Er versteht nicht, was passiert, sein Umfeld reagiert ablehnend. Das Tourette-Syndrom kennt in dieser Zeit kaum jemand. Auch Jahre später, als junger Erwachsener, ist John - großartig gespielt von Robert Aramayo, der sich bei den BAFTAs im Februar verdientermaßen gegen die Hollywood-Elite um Michael B. Jordan und Timothée Chalamet als bester Hauptdarsteller durchgesetzt hat - isoliert. Dottie, die Mutter eines Freundes, ist eine der wenigen, die Verständnis und Mitgefühl mit ihm zeigt.

Murray: "Magst du noch was mitessen, John?"
John: "Nein, ich brauche nichts. Danke."
Murray: "Alles klar, kein Problem."
John: "Hitler!"
Murray: "Wenn du wieder was machen willst, meldest du dich?"
John: "Klar, gern!"
Dottie: "Was hast du gegen meine Spaghetti Bolognese?"
John: "Die sind bestimmt gut,ich muss nur nach Hause."
Dottie: "Wie heißt’n du?"
John: "John."
Dottie: "John, schieb deinen Arsch hier rein. In zwei Minuten sitzt du am Tisch! (...) Ich bin Dottie."
John: "Du wirst an Krebs sterben! Verflucht John, tut mir leid!"
Dottie: "Alles klar, tja, freut mich auch sehr!"
- Szene auf Verflucht normal

Kirk Jones im Interview über die Arbeit mit John Davidson

Verflucht normal basiert auf dem Leben des echten John Davidson. Heute ist dieser ein bekannter Aktivist, 2019 wurde ihm gar der Order of the British Empire durch die Queen verliehen. Filmemacher Kirk Jones hat seine Geschichte adaptiert - wobei Gespräche zwischen den beiden über den Alltag mit Tourette die Grundlage waren. Um John vom Projekt zu überzeugen, wählte Jones einen speziellen Weg:

"Gleich am Anfang hat er mir erzählt, dass die Tourette-Gemeinschaft über die Jahre nicht gut behandelt wurde. Oftmals haben sie bei Einladung erlebt, dass sie nur als Scherz dabei waren und gehofft wurde, sie würden etwas Kontroverses sagen. John hatte Bedenken, dass ich so einen Film drehen würde. Ich sagte, dass ich das nicht mache und beruhigte ihn, indem ich ihn zum Executive Producer des Films mache." - Kirk Jones im FluxFM-Interview

Das Ergebnis ist kein Leidensdrama, sondern eine Dramedy zum Lachen, Weinen und Hoffen. Vor allem aber ist es ein Film, der seine Figuren ernst nimmt und sie nicht bloßstellt. Etwas, was John laut Regisseur und Drehbuchautor Kirk Jones wichtig war.

"John sagte zu mir: „Ignoriere die Ticks, aber ignoriere nicht die Person!“ Das lässt sich auch auf andere Behinderung übertragen. Sieh nicht nur den Rollstuhl oder eine Person, die nicht sehen kann. Sieh den Menschen und ignoriere alles andere. Und dann sagte er: „Denk daran, dass dein ‚normal‘ nicht dasselbe ist wie das ‚normal' aller anderen.“" - Kirk Jones im FluxFM-Interview

Fazit zu Verflucht normal: Ein sehenswerter Film der nachwirkt

Statt Tourette zum Problem zu machen, geht es um den Menschen dahinter – ehrlich, aufwühlend und witzig, auch mit Momenten in denen man nicht weiß, ob man lachen darf. Auf diese Weise hilft der Film Tourette und andere neurologische Erkrankungen besser zu verstehen. Kirk Jones gelingt mit Verflucht normal ein Film, der nicht nur verdammt sehenswert ist, sondern auch lange nachwirkt.

Film: Verflucht normal | Kinostart: 28.05.2026 | Länge: 121 Minuten | Altersfreigabe: FSK 12 | Regie und Drehbuch: Kirk Jones | Cast: u.a. Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullen, Shirley Henderson | Verleih: Wild Bunch Germany