
"Rose" - Sandra Hüller schlüpft in die Hose | Breitbild Filmkritik
Regisseur Markus Schleinzer präsentiert mit "Rose" eine Tragödie um den Wunsch nach Selbstbestimmung
02.05.2026 Ron Stoklas
Es läuft in den letzten Jahren für Sandra Hüller. Erst die Oscar-Nominierung für Anatomie eines Falls, jüngst ihr Hollywood-Debüt in Project Hail Mary. Im Februar hat sie zudem für ihre Rolle in Rose den Silbernen Bären für die beste Schauspielleistung der Berlinale erhalten. Diese Woche startet der Film von Regisseur Markus Schleinzer in den deutschen Kinos. Die Kritik von FluxFM-Filmexperte Ron Stoklas.
FluxFM-Kritik zu "Rose": Der Wunsch nach Selbstbestimmung
Richter: "Unmögliches kann man sich wünschen. Leben kann man es nicht."
- Szene aus dem Film "Rose"
Und doch macht Rose genau das. In den Wirren des 30-jährigen Krieges gibt sie sich als Mann aus, dient sogar dem Militär. Alles nur, um eine Freiheit zu genießen, die ihr als Frau im 17. Jahrhundert verwehrt ist. Dazu benötigte sie lediglich eine Hose! Die Macht von Kleidungsstücken hat den österreichischen Filmemacher Markus Schleinzer fasziniert.
"An sich ist eine Hose nur eine Hose. Ein Kopftuch ist nur ein Kopftuch. Sondern es ist ein Symbol, dessen man sich bedient, um andere Menschen zu unterdrücken, damit es einem selbst vielleicht besser geht und man seine eigene Macht vielleicht besser erhalten kann. Und in dem Moment, wenn man diese Symbole benennt, kann man auch die Lächerlichkeit dieses Symbols sichtbar machen. Das ist auch das, was Sandra, was Rose im Film auch sagt, als man sie fragt, ob sie Mann sein wollte. Sie sagt: Sie will nicht Mann sein, aber in der Hose steckt halt ein Stück mehr Freiheit und ist doch nur ein Stückchen Stoff, also bin ich in die Hose. Das hat mich sehr berührt." - Markus Schleinzer im FluxFM-Interview
Sandra Hüller als Rose - eine emotional aufwühlende Darstellung
Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben bringt Rose - herausragend gespielt von Sandra Hüller - in ein abgelegenes Dorf. Dort gibt sie sich als Erbe eines verlassenen Hofs aus.
Dorfbewohner: "Ist gut, dass das Land wieder wächst. Habs dir nicht zugetraut."
Rose: "Ich mir selber nicht. Stehe jeden Tag vor diesem Wunder hier zu sein. Hab nie erdenken können früher an ein morgen. Viel zu sehr beschäftigt aus dem heute heil herauszukommen. Und jetzt? Zum ersten Mal wie großartig und schön!"
- Szene aus dem Film "Rose"
Um dem Dorftratsch zu entgehen, muss sich Rose immer wieder aufs neue beweisen – sei es bei ihrer Arbeit auf dem Feld, in ihrer Rolle als ehemaliger Soldat oder wenn es um ihre Rolle als Mann an sich geht. Um letztere glaubhaft zu erhalten – und zudem etwas mehr Land zur Bewirtung zu erhalten – heiratet sie die von Caro Braun gespielte Suzanna, die Tochter eines ansässigen Großbauern. Damit verbunden sind eheliche Pflichten wie der Beischlaf, den Rose mit Hilfsmitteln vollzieht.
Rose: "Warum das gute Fleisch heute in der Suppe?"
Suzanna: "Es ist doch ein Feiertag."
Rose: "Es ist doch nicht jedes Mal ein Kindlein zu erhoffe, wenn man seine eheliche Pflicht begeht. Wir warten ab…"- Szene aus dem Film "Rose"
Markus Schleinzer über die Hose als Mittel zur Selbstbestimmung
Es ist ein Geflecht aus Lügen, welches nicht nur Roses Leben, sondern das aller Beteiligten beeinflusst. Die Geschichte von Rose ist inspiriert von hunderten Frauen, deren Fälle dokumentiert sind. Bei der Recherche haben Markus Schleinzer und sein Co-Autor Alexander Brom nicht nur die Frauen, sondern auch ihre Motive kennengelernt.
"Teilweise um Zwangs-Verehelichung zu entgehen, teilweise um nachdem der Ehemann gestorben war, Zugang zu haben, zu etwas was wir heute Arbeitsmarkt nennen. Es gab Romantik, Frauen, die ihren Männern in den Krieg nachfolgen wollten und das nur tun konnten, wenn sie sich selbst als Soldaten, als Männer getarnt haben. Es gab unterschiedliche Motivationen, aber das, was so berührend ist, ist, dass das Ziel immer das gleiche war: Mehr Freiheit zu haben. Diese Art von Freiheit, die anderen Personengruppen schon gegeben wird." - Markus Schleinzer im FluxFM-Interview
Regisseur Markus Schleinzer erzählt mehr als nur eine Tragödie um den Wunsch nach Selbstbestimmung. Von der schwarz-weiß Ästhetik des Films bis hin zur emotional aufwühlende Darstellung von Sandra Hüller. Rose ist ein beklemmendes filmisches Kunstwerk.



















