
Doomscrolling unter Druck: Warum die EU gegen TikTok ermittelt
Digitalexperte Markus Beckedahl ordnet die Vorwürfe der EU gegen TikTok ein – und erklärt, was das für Nutzer*innen bedeutet.
20.02.2026
Die EU-Kommission wirft TikTok vor, gezielt Mechanismen einzusetzen, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf der Plattform halten. Endlos-Feed, Autoplay und ein hochpersonalisiertes Empfehlungssystem – all das könne gegen den Digital Services Act verstoßen.
Im Kern geht es um die Frage: Ist TikTok so gebaut, dass wir die Kontrolle verlieren?
Wir haben darüber mit Markus Beckedahl gesprochen, Mitgründer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie. Er sagt: Noch sei völlig offen, wie das Verfahren ausgehen wird. TikTok könne die Vorwürfe zurückweisen – oder Änderungen am Design vornehmen müssen.
Spannend ist auch die politische Dimension: Warum trifft es ausgerechnet TikTok? Schließlich funktionieren auch Plattformen wie Instagram oder Facebook nach ähnlichen Prinzipien. Beckedahl sieht hier durchaus geopolitische Spannungen: Die EU-Kommission müsse zeigen, dass sie Regulierung durchsetzen kann – gerade gegenüber großen Plattformen.
Parallel dazu wird in Deutschland über ein mögliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige diskutiert. Doch beides sollte nicht vermischt werden. Während das EU-Verfahren auf Plattformdesign und Transparenz abzielt, geht es bei der Altersdebatte um Jugendschutz und gesellschaftliche Verantwortung.
Mögliche Lösungen? Sichtbare Endpunkte statt Endlos-Feed. Stoppsignale nach einer bestimmten Nutzungsdauer. Ein Modus nur mit Beiträgen von Freund*innen. Oder eine bewusste Entscheidung: Suche ich gezielt etwas – oder will ich einfach nur scrollen?
Die kommenden Monate könnten entscheiden, ob Plattformen wie TikTok ihr Design grundlegend verändern müssen. Oder ob wir weiter im digitalen Dauerstrom treiben.
Am Ende bleibt die Frage: Steuert TikTok uns – oder steuern wir TikTok?


















