
UND JETZT | Radio Arty
Künstlerin Laura Mercedes Arndt im Interview zur Ausstellung im SMAC
17.02.2026 Yaneq
In der Ausstellung UND JETZT untersucht Malerin Laura Mercedes Arndt mit wiederholten, androgynen Figurengruppen und kunsthistorischen Motiven die Strukturen von Gemeinschaft, Nähe und kollektiver Lesbarkeit.
Typus statt Individuum
Die Figuren erscheinen in Kreisen, Reihen oder Gruppen, ihre Körper einander zugewandt, kniend, stehend oder tanzend. Individuelle Merkmale treten zugunsten eines einheitlichen Typus zurück: ähnliche Proportionen, identische Kleidung, keine eindeutigen Geschlechterzuschreibungen. Dadurch verschiebt sich der Fokus vom Einzelnen auf die Konstellation und das Zusammenspiel der Körper. Die monumentale, frontale Präsenz wirkt ruhig und funktional statt heroisch oder expressiv. Nähe, Halt und Abhängigkeit werden weniger erzählt als strukturell sichtbar gemacht. Die Wiederholung erzeugt dabei eine stille, fast rituelle Dynamik.
Fläche, Struktur und Bildlogik
Auch die Landschaften sind auf das Wesentliche reduziert und meist nur durch eine horizontale Teilung definiert. Körper und Umgebung werden gleichbehandelt, segmentiert und flächig organisiert, wodurch illusionistische Tiefe bewusst vermieden wird. Kunsthistorisch aufgeladene Bildtypen wie Reigen oder Pietà dienen nicht als Zitat, sondern als strukturelle Vorlage. Entscheidend ist die innere Logik der Gruppierung und Ausrichtung der Figuren. Farbigkeit und Komposition wirken zugleich archaisch und gegenwärtig. So entsteht ein Bildraum, in dem kollektive Lesbarkeit über individueller Differenz steht.
Laura Mercedes Arndt, die im letzten Jahr ihr Studium an der Kunsthochschule Weißensee abschloss, arbeitet mit kunsthistorisch stark aufgeladenen Bildtypen: Reigen, Pietà, Kreuzabnahme, Auferstehung. Statt zu zitieren, um so die ursprüngliche Bedeutung zu bestätigen, werden sie von Arndt formal und strukturell untersucht. Es ist die Bildlogik solcher Darstellungen, die die Künstlerin fasziniert: die Gruppierung der Körper, ihre Ausrichtung zueinander, die Frage von Halt, Nähe und Abhängigkeit.
Im Radio: 15.02.2026, 16 Uhr
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